Gesunde Ernährung ist wichtig. Nicht nur für uns Menschen ist es essenziell dem Körper alle wichtigen Nährstoffe in einer ausgewogenen und möglichst natürlichen Form zur Verfügung zu stellen. Auch unsere Hunde profitieren eindeutig von bedarfsgerechter und durchdachter Fütterung. Wie gesund ist allerdings der neue Futter-Trend “Barf” wirklich?

Jeder Hundebesitzer, der nur das Beste für seinen Vierbeiner möchte und sich mit gesunder Ernährung befasst, stolpert unweigerlich über den Begriff des Barfens. Die Fütterung von rohem Fleisch liegt voll im Trend, doch ist dieses Konzept wirklich so sinnvoll?

Im Rahmen meines Berufs als Tierärztin werde ich immer wieder gefragt was nun die BESTE Fütterung für Hunde ist. Darum möchte ich hier kurz Vor- und Nachteile aufzeigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Hund artgerecht und gesund zu ernähren.

Der Hund ist kein Wolf

Der Grundgedanke beim Barfen ist, eine natürliche Ration des Wolfes, also eines Beutetiers, möglichst genau nachzubauen, weil dies als natürlich und somit gesund angesehen wird.

Ganz stimmt diese Argumentation jedoch nicht. Das primäre Ziel aller Lebewesen ist nachweislich die Arterhaltung. Damit liegt der Fokus eines Wildtieres in der Fortpflanzung und nicht in der Lebensdauer. Und welcher Hundebesitzer wünscht sich nicht ein langes Leben seines Lieblings? Der Wolf, der sich aufgrund der Gegebenheiten in der Wildnis suboptimal ernähren muss, kann sich dennoch fortpflanzen. Die wenigsten Wölfe jedoch werden in der freien Wildbahn älter als fünf Jahre. Schlussfolgerung ist also, dass die Fütterung von Hunden auf ausdauernde Gesundheit und nicht auf schnelllebige Fortpflanzung ausgerichtet sein sollte.

Ballaststoffe im Hundefutter

Weiters macht es für einen Hochleistungssportler und Jäger, wie der Wolf einer ist, aus ernährungsphysiologischer Sicht wenig Sinn viele Ballaststoffe aufzunehmen – auch wenn das in unserer Ernährung und ebenso in der des Haushundes durchaus sehr empfehlenswert wäre. Ballaststoffe regulieren sehr gut die Verdauung und fördern die Darmgesundheit, sind also sehr positiv in einer Ration.

A brown and white dog looking at the camera

Description automatically generated
Die Ernährung vom Haushund soll einem langen, gesunden Leben dienen.

Ein großer Streitpunkt bei dem Thema „gesundes Futter“ sind auch immer wieder Kohlenhydrate. Bei den meisten Barf Rationen wird überwiegend bewusst auf Stärke (Kohlenhydrate) verzichtet.

Ist das sinnvoll? Hunde sind vermutlich die ersten domestizierten Tiere überhaupt. Genom Analysen zufolge begann die Domestizierung mindestens vor 10.000 Jahren, Fossilfunde reichen sogar bis 33.000 Jahre vor Christus zurück. Dies ist eine lange Zeit, in der sich der Hund nicht wie seine wildlebenden Vorfahren ernährt hat. Mittlerweile ist es bekannt, dass Hunde Stärke (Kohlenhydrate) effektiv verdauen können. Vor kurzem wurden sogar die dafür wichtigen, bzw. veränderten Gene entschlüsselt (Axelsson et al. 2013). Durch diese Anpassung im Erbgut hat der Hund eine hohe Verdauungskapazität für Stärke erhalten. Bis zu zwei Drittel der gesamten Energieaufnahme können also problemlos Stärke (Kohlenhydrate) sein.

Barfen aus tierärztlicher Sicht betrachtet

Da sich ja die Barf Fütterung an der Ration eines Wolfes orientiert, sind die Futtermittel meist naturbelassen, auf helles Getreide und künstliche Zusätze wird weitgehend verzichtet. Das macht die Barf Ration im Vergleich zu konventionellem Fertigfutter sicher gesünder. Positiv ist auch, dass durch den vollkommenen Verzicht auf das Erhitzen die Nährstoffe voll erhalten bleiben. Auch durch lange Lagerung bei konventionellem Fertigfutter hat man einen Verlust an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Bei konventionellem Futter müssen aus diesem Grund auch deutlich mehr (zumeist dann eben künstliche) Bestandteile zugeführt werden.

Das Verfüttern von Knochen wird ebenso oft als positiver Aspekt für das Barfen herangezogen, da dieses Kauen ja sehr der Zahngesundheit dient. Hier warne ich aber immer zur Vorsicht, da das Verfüttern von Knochen sehr oft zu massiven medizinischen Problemen führt. Zum Beispiel Knochenkot oder die Gefahr, dass der verfütterte Knochen selbst, oder auch Teile davon im Darm stecken bleiben und nur noch operativ entfernt werden können.

A brown and white dog sitting in the grass

Ein braun-weißer Hund, der im Gras liegt
Knochen können auch eine große Gefahr für den Hund darstellen.
Krankheitserreger in der BARF-Ration

Kritisch zu betrachten ist auch das gesundheitliche Risiko durch Krankheitserreger im rohen Fleisch. Dies betrifft sowohl das Tier als auch den Menschen! Rohes Fleisch kann verschiedene Keime und auch Parasiten im Zwischenstadium enthalten, welche durch die fehlende Erhitzung nicht abgetötet werden. Manche Erreger führen „nur“ zum Verderb des Fleisches, andere jedoch zu Erkrankungen bei Tier und Mensch. Studien zeigen eindeutig, dass Tiere, die mit rohem Fleisch gefüttert werden, pathogene, also krankmachende Lebensmittelbakterien ausscheiden. Häufige Symptome von Rohfütterung, wenn sie nicht vertragen wird, sind Bauchschmerz, Blähungen, Erbrechen oder auch Durchfall.

Bei Tieren mit geschwächtem Immunsystem oder bei kleinen Wunden, zum Beispiel in der Maulhöhle des Tieres können Bakterien in den Organismus eindringen. Weiters können auch „gute“ Bakterien plötzlich zu Krankheitserregern werden. Hier wird das Tier unnötigen Risiken ausgesetzt.

Untersuchungen zeigen, dass die mikrobiologische Qualität von Barffutter leider oft sehr mangelhaft ist! In einer deutschen Studie (Wendel et al., 2012) wurden 15 Barf Menüs verschiedener namhafter Hersteller überprüft. 14 davon wiesen Keimgehalte weit über den für den Lebensmittelbereich zulässigen Höchstmengen auf, obwohl diese Produkte als „Lebensmittelqualität“ angepriesen waren! Auch ein voriges Einfrieren hilft nur in manchen Fällen. Zum Beispiel Salmonellen, Bacillus cereus und Clostridien sind unempfindlich gegen Kälte, um nur einige zu nennen. (Fritz J., 2015)

Ein Team der Vetsuisse-Fakultät der Uni Zürich hat in einer Studie 2019 in sogar mehr als 60 % der Barfrationen aus Deutschland und der Schweiz Antibiotika resistente Bakterien gefunden. In 3,9 % der Fälle wurden auch Salmomellen nachgewiesen. (Nüesch- Inderbinen et al., 2019)

Die häufigsten Fehler beim barfen

Fehler in der Rationsberechnung bzw. -gestaltung sind beim Barfen, aber auch beim selbst zu Hause kochen ein großer Nachteil. Abwechslungsreich bedeutet nämlich nicht ausgewogen. Denn ausgewogen heißt, dass alle wesentlichen Nährstoffe in bedarfsgerechter Menge in der Ration enthalten sind. In den meisten selbst hergestellten Menüs fehlen Spurenelemente wie Kupfer und Zink, da diese in unseren Lebensmitteln in zu geringer Menge für den Hund enthalten sind! Auch die Versorgung mit Calcium, Jod, Vitamin A und D ist häufig unzureichend.

Eine Mangelernährung macht sich beim ausgewachsenen Hund selten sofort bemerkbar, oft dauert es einige Jahre. (Fritz J., 2015) In einer deutschen Studie waren die Mineralstoff- und Vitamingehalte bei 60% der Barfrationen nicht bedarfsgerecht und unausgewogen! Bei der Hälfte mangelte es an Jod! Bei einer österreichischen Studie (Handl et al.2012) waren in 90% der Fälle die Spurenelemente zu gering! Aber sogar bei fertig gekauften Barf Menüs kann man leider nicht sicher gehen, dass der Hund gut versorgt ist. Bei einer Untersuchung von 6 deutschen Barfmenüs war lediglich in einem einzigen das Calcium- Phosphor- Verhältnis ausgewogen. (Wendel et al. 2012)

Frischfutter als Alternative

Frischfutter, also Futter, dass schonend gegart und dann „nur“ gekühlt wird, ist eine gute Alternative zum „Zu-Hause-Kochen“. Aber auch hier rate ich ganz genau zu schauen, ob das angebotene Futter auch wirklich ein Alleinfutter ist. Also ob alle wichtigen Vitamine, Spurenenlemente und Mineralstoffe auch wirklich enthalten sind. Einige Anbieter führen leider auch hier ihre gutgläubigen Kunden hinters Licht. Denn es kommt vor, das nicht gleich ersichtlich, dass das Futter nicht alleine auf längere Zeit gefüttert werden darf.

Alles in Allem, denke ich, dass man mit dem bedarfsgedeckten Kochen zu Hause, oder eben mit dem schonend gegartem und schon perfekt auf den jeweiligen Hund angepassten Frischfutter die beste Wahl trifft.

Quellen:

Axelsson, E. etal. (2013): The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch- rich diet. Nature 495: 360-64.

Wendel, F. et al. (2012): Microbiological contaminationand inappropiate composition of BARF- food. Proc ESVCN 16: 67.

Fritz, J. (2015): Hunde barfen. Alles über Rohfütterung. Ulmer Verlag 2015.

Handl, S. et al. (2012): Reasons for dog owners to choose raw diets (barf) and nutritional adequancy of raw diet reciepes fed to dogs in Austria and Germany. Proc ESVCN 16: 124.

Nüesch- Inderbinen, M. et al. (2019): Raw meat-based diets for companion animals: a potential source of transmission of pathogenic and antimicrobial-resistant Enterobacteriaceae. Royal Society Open Science 6: 19117

13 Shares:
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like