Bei der Ernährung von Hunden gibt es zahlreiche verschiedene Meinungen und Annahmen. Wir haben uns den Mythos „Der Hund ist ein reiner Fleischfresser” aus veterinärmedizinischer Sicht angeschaut.

Leider ist diese Annahme vieler Menschen nicht korrekt. Der Hund ist ein Carni-omnivor, also ein Allesfresser. Sein Verdauungstrakt und Stoffwechsel sind nicht auf die ausschließliche Aufnahme von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft ausgelegt. In der Gemeinschaft mit dem Menschen wurde der Hund über die Jahrtausende sogar mehr und mehr zum Omnivor. Schon in der Barockzeit wurden die wertvollsten, teuersten Meutehunde für lange Verfolgungsjagden überwiegend mit „Hundebrot” gefüttert.

Auch in weiterer Folge, in der sich der Hund immer mehr der urbanisierten Gesellschaft des Menschen befindet, ist er natürlich von der Nahrungszuteilung des Menschen abhängig. Diese beinhaltete nur in geringem Maße, auch für den Menschen sehr wertvolles, Muskelfleisch.

Was frisst der Wolf?

Aber auch ein genauerer Blick in die Natur zeigt, dass der Wolf kein reiner Fleischfresser ist. Er frisst die unterschiedlichsten Beutetiere, die eine komplett andere Zusammensetzung haben, als ein einseitig zusammengesetztes Muskelfleisch (siehe Tabelle unten). Andererseits ist der Wolf auch kein strikter Beutefresser. Je nach Versorgungslage, Alter und Angebot frisst er auch pflanzliches Material, wie zum Beispiel: Gräser, Wurzeln, Früchte, Blätter, Exkremente von Pflanzenfressern und sonstige Abfälle.

Wölfe sind keine reinen Fleischfresser.
Auch der wolf ist kein reiner fleischfresser.

Das primäre Ziel der Natur und allen Lebens ist außerdem die Arterhaltung und damit liegt der Fokus des Wolfes in der schnellen und erfolgreichen Fortpflanzung. Das Ziel der Natur ist es also nicht ein möglichst langes Leben zu gewährleisten. Die wenigsten Wölfe werden in freier Wildbahn älter als 5 Jahre, dies ist aber doch der Anspruch in der heutigen Gesellschaft, die den Hund als Partner verstehen möchte.

Ernährung eines Haushundes

Unsere Fütterung soll also auf ausdauernde Gesundheit und nicht auf schnelllebige Fortpflanzung ausgerichtet sein. Dies macht einen enormen Unterschied. Dadurch ist es für den Haushund, ebenso wie für den Menschen, empfehlenswert hochwertige Ballaststoffe aufzunehmen. Sie regulieren die Verdauung, fördern die Darmgesundheit und entlasten Niere und Leber.

Hunde sind vermutlich die ersten domestizierten Tiere überhaupt. Genomanalysen zufolge begann die Domestizierung mindestens vor 10.000 Jahren, Fossilfunde reichen sogar bis 33.000 Jahre vor Christus zurück. Dies ist eine lange Zeit, in der sich der Hund nicht wie seine wildlebenden Vorfahren ernährt hat. Mittlerweile ist es bekannt, dass Hunde Stärke (Kohlenhydrate) effektiv verdauen können. Vor kurzem wurden sogar die dafür wichtigen, bzw. veränderten Gene entschlüsselt (Axelsson et al. 2013). Durch diese Anpassung im Erbgut hat der Hund eine hohe Verdauungskapazität für Stärke erhalten. Bis zu zwei Drittel der gesamten Energieaufnahme können sogar problemlos Kohlenhydrate sein.

Nährstoffgehalte im Vergleich Nager versus Fleisch
INHALTSSTOFFE Kleiner Nager Schweinefleisch (Schnitzel)
Fett (g) 25-30 7,5
Protein (g) 50-60 87
Kalzium (mg) 3000 36
Phosphor (mg) 1500 683
Natrium (mg) 200 286
Kupfer (mg) 1 1,2
Jod (mg) 40
Vitamin A (IE) 300

Quelle: Ernährung des Hundes; Prof. Zentek et al. 2016

In der Tabelle siehst du deutlich die ernährungsphysiologischen Unterschiede zwischen einem Beutetier, wie zum Beispiel einem Nager, und einem Stück Muskelfleisch, wie wir Menschen es essen oder auch verfüttern. Du willst wissen, wie du deinen Hund optimal ernähren kannst? Dann schau auf unserem Blogbeitrag „Hundefutter – dein Leitfaden“ vorbei!

Quellen:

-Zentek, J. et al. 2016: Ernährung des Hundes. 8 aktualisierte Auflage. Enke Verlag

-Fritz, J. 2015: Hunde barfen, Alles über Rohfütterung. Ulmer Verlag

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