Der Coronavirus breitet sich weiter aus. In Zeiten wie diesen, ist es besonders wichtig eine Hausapotheke auch für den Hund zu hause zu haben. So kann ein unnötiger Aufenthalt in Wartezimmern, zusammengepfercht mit anderen Menschen, vermieden werden.

Kleine Tipps und Tricks oder auch „Hausmittel“ können immer wieder vor schwereren Krankheitsverläufen schützen und Ihrem Tier helfen. Alle im folgenden Artikel genannten Mittel kannst du natürlich über jeden Tierarzt, jede Apotheke oder teilweise auch im Internet, ohne Rezept, bekommen.

Verletzungen der Haut

Bei Verletzungen ist die Bandbreite bzw. der Schweregrad natürlich enorm. Sollten es Kratzer, bzw. kleinere blutende Wunden sein, ist es jedenfalls sinnvoll diese einmal zu versorgen. Ein Desinfektionsmittel in der Hausapotheke zu haben ist also ratsam. Hier empfehle ich gerne jodhaltige Lösungen oder antiseptische Sprays. Nach erfolgreicher Reinigung und Desinfektion ist es ratsam eine Wundsalbe (zinkhaltig) aufzutragen, natürlich nur, wenn diese auch dort verbleibt und nicht im nächsten Moment abgeschleckt wird. Zur Sicherheit sollten auch sterile Tupfer, ein selbsthaftender Verband und Wickelwatte in der Hausapotheke parat sein.

ACHTUNG: Willst du einen Verband um eine Gliedmaße setzen, achte bitte vor allem darauf, dass dieser nicht zu fest gewickelt ist! Das passiert sehr schnell und kann zu schweren Durchblutungsstörungen führen, bis hin zum Absterben der Extremität! Also besser der Verband rutscht ab und muss öfter erneuert werden, als er schnürt ein! Bitte Verbände prinzipiell maximal 3 Tage lassen, eigentlich ist ein täglicher Verbandswechsel am vernünftigsten!

Hund hat einen Verband vom Besitzer angelegt bekommen.
bei einem verband musst du darauf achten, dass er nicht zu eng ist.

Ich möchte hier unbedingt anmerken, dass bei schwereren und tieferen Verletzungen unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden sollte, da diese Wunden oft genäht werden müssen. Bei starken Blutungen kannst du natürlich auch einen engen, blutungsstillenden Verband anlegen, damit der Blutverlust nicht zu stark ist auf dem Weg zum Tierarzt.

Durchfall

Durchfälle, die nicht mit massiven Störungen des Allgemeinbefindens oder Blutbeimengungen einhergehen, können durchaus einmal vom Besitzer selbst behandelt werden. Dauert der Durchfall allerdings länger als 2 bis 3 Tage an, sollte der Patient einem Tierarzt zur weiteren Abklärung vorgestellt werden. 

Bei leichteren Durchfallerkrankungen empfiehlt es sich dem Hund (sofern dieser es verträgt) matschig gekochten und gesalzenen Reis (mit 3 facher Menge Wasser kochen), gedünstete Hühnerbrust (mager), gekochte Karotten sowie Probitokia – zum Beispiel über Hüttenkäse – anzubieten. 

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, wie Bakterienstämme und teilweise auch Pilz-Stämme, die über das Maul aufgenommen werden. Im Darm erreichen sie ihren Zielort und können sich in der passenden Zusammensetzung positiv auf die gesamte Gesundheit auswirken. Auch Sobamin und Dysticum helfen oft hervorragend bei Darminbalancen.

DIe morosche karottensuppe

Als bewährte und auch wissenschaftlich fundierte “Erste-Hilfe” Maßnahme bei Durchfällen ist die Morosche Karottensuppe bekannt. Das Rezept ist ganz einfach:

  • 500 Gramm geschälte und klein geschnittene Karotten für mindestens 90 Minuten in einem halben Liter Wasser kochen
  • danach Kochwasser abgießen
  • Karotten pürieren und mit frischem kochendem Wasser auf einen Liter auffüllen
  • Anschließend 3g Kochsalz zufügen

Die Morosche Karottensuppe kann zu Beginn der Durchfallerkrankung bis zu 5 bis 6 mal pro Tag dem Hund in kleinen Portionen angeboten werden. Damit ist auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet. 

TIPP: Die Suppe kann auch auf Vorrat gekocht werden und hält sich eingefroren bis zu 3 Monate. 

Fressunlust

Sollte Dein Hund plötzlich das gewohnte Futter nicht mehr fressen wollen bitte überrede ihn nicht mit Leckerlis, Schinken oder Süßigkeiten zum Fressen. Es hat bestimmt einen Grund und den gilt es zu finden und zu beheben. Überlege genau was der Anlass sein könnte. Was hat er die letzten Tage gefressen? Könnte er etwas verdorbenes aufgenommen haben? Ist er sehr gestresst? Könnte es an den Hormonen liegen (Läufigkeit).

Nach wie vielen Tagen du unbedingt einen Tierarzt kontaktieren solltest, ist nicht einfach zu beantworten, das hängt sehr vom Alter und der Größe deines Lieblings ab! Junge Tieren und Tiere mit wenig Körpergewicht haben weniger Reserven und sollten früher Vorgestellt werden (max 1 Tag). Ist dein Tier in einer guten Grundkonstitution und ist größer und schwerer kannst du auch mal ein wenig warten. Länger als 2-3 Tage würde ich aber auf keinen Fall in Kauf nehmen.

Junger Hund möchte nicht fressen und muss zum Tierarzt.
wenn dein junger hund nicht fressen möchte, warte nicht zulange bis du zum tierarzt gehst.
Erbrechen

Bei ein- bis zweimaligen Übergeben deines Hundes kannst du zum Beispiel etwas fettreduzierten Naturjoghurt (nicht ganz kalt) anbieten. Auch Ulmenrinde ist hier ein bewährtes Hausmittel. Gib ihm eher kein Trockenfutter, denn das reizt die Magenschleimhaut erst recht und auch kein kaltes Futter direkt aus dem Kühlschrank. Weiters kannst du auch etwas Kamillentee oder Käsepappeltee anbieten, oder unter das Futter mischen. Oft beruhigt das den Magen-Darm-Trakt ein wenig.

Wenn Dein Schützling sich aber öfter übergibt, suche bitte unbedingt zeitnah einen Tierarzt auf! Erbrechen kann Ausdruck schlimmer Erkrankungen sein, wie zum Beispiel Magendrehungen, Vergiftungen, Fremdkörper, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Nierenversagen, etc. Auch hier hilft dem Tierarzt eine gute Anamnese (Vorbericht) sehr weiter.

Lahmheit

Humpelt dein Hund, hat er Schmerzen beim Auftreten. Diese können natürlich in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Fußt er gar nicht mehr auf, empfehle ich auch hier sofort einen kompetenten Tierarzt aufzusuchen. Sollte Dein Tier aber eine Extremität nur ein bisschen weniger belasten und auch sonst nicht wesensverändert sein, kannst du auch einmal einige Tage abwarten. Eine hilfreiche Pflanze aus der traditionell chinesische Medizin (TCM) ist zum Beispiel die Teufelskralle. Sie ist nachweislich entzündungshemmend und auch etwas schmerzstillend. Du bekommst sie in jeder Apotheke in Tablettenform. Die Dosierung ist je nach kg vom Menschen herunter zu rechnen – bei Zweifel bitte kontaktiere auch hier deinen Tierarzt.

Lass deinen lahmenden Hund bitte nicht mit anderen Hunden spielen oder herumtoben. Auch Ballspiele, vor allem mit „Stop and Go`s“ sollten vermieden werden, da diese eine große Belastung für den Bewegungsapparat darstellen. Oft merken auch Hunde im Spiel ihre Schmerzen weniger und erst zu Hause angekommen zeigt sich dann eine massive Verschlechterung des Zustandes.

ACHTUNG: Bitte verwende auf gar keinen Fall humane Schmerzmittel! Fast alle Medikamente gegen Schmerzen beim Menschen sind für den Hund giftig und können sogar zum Tod Deines Lieblings führen!

Juckreiz

Kratzt Dein Hund sich unentwegt zu Hause ist das nicht nur für dich störend, sondern auch für deinen Liebling mehr als nur unangenehm. Bitte nimm es ernst! Natürlich gibt es auch für den Juckreiz unzählige Differentialdiagnosen, aber im ersten Schritt kannst du ihn einmal selbst auf Parasiten prüfen. Findest du dunkle schwarz-rötliche Punkte im Fell, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit Flohkot. Hier gibt es einen einfachen Test. Nimm ein feuchtes weißes Taschentuch und gib die kleinen Partikel, die du gefunden hast, darauf. Warte kurz – zerrinnen diese Punkte in einen rötlich Rand, weist dies auf verdautes Blut hin und somit hast du den recht sicheren Beweis, dass dein Hund mit Flöhen befallen ist, auch wenn du selbst keinen einzigen Floh gesehen hast. Flöhe sind schnell und leben außerdem nicht immer auf dem Tier.

Hund kratzt sich viel wegen Flöhen
ES IST RATSAM IMMER EIN MITTEL GEGEN FLÖHE in der Hausapotheke ZU HABEN.

Für diesen Fall ist es also jedenfalls ratsam ein Mittel gegen Flöhe zu Hause zu haben. Bitte greif hier nicht auf rein pflanzliche Produkte zurück. Es wäre zwar schön, aber sie helfen bei einem akuten Parasitenbefall einfach nicht. Vergiss nicht, dass Flöhe auch in der Umgebung, also bei dir zu Hause, leben. Antiparasitika bekommst du in den verschiedensten Darreichungsformen. Gängig sind hier Spot On`s zum aufträufeln auf die Haut oder auch Tabletten. Die meisten Produkte sind auch gegen andere Parasiten, wie Milben hilfreich.

Auch Allergien jeglicher Herkunft äußern sich gerne durch Juckreiz. Vor allem die Futtermittelallergie ist hier wichtig zu erwähnen. Achte prinzipiell auf gesundes, biologisches Futter, mit wenig künstlichen Zusatzstoffen. Gerade futtermittelunverträgliche Hunde vertragen industrielles Futter sehr schlecht, hier empfehle ich gerne Frischfutter. Schwerere Fälle können aber auch auf Protein (Fleisch) oder einzelne Kohlenhydratquellen allergisch reagieren. Bei Futtermittelunverträglichkeiten schleckt dein Liebling gerne übermäßig an den Extremitäten, aber auch immer wiederkehrende Ohrenentzündungen sind Ausdruck dieser Erkrankung.

Auch hier gilt: Bei längeren Beschwerden, oder wenn keine Besserung eintritt – ab zum Tierarzt!

Augenentzündungen

Das Auge ist ein sehr wichtiges und sensibles Organ. Also bitte hier nicht länger selbst „herum doktern“. Sollten du eine geringgradige Rötung eines Auges mit Ausfluss bemerken, kannst du abgekühlten Käsepappeltee zum vorsichtigen Reinigen der verklebten Stellen verwenden. Am besten funktioniert das mit einem nicht fuselndem Wattepad. Auch mit befeuchtenden oder Hornhaut- ernährenden (Vitamin A haltigen) Augentropfen oder Salben machst du keinen Fehler. Bitte wasch dir davor und danach immer gut die Hände.

Husten / Schnupfen

Verkühlungen und Infektionen der Atemwege machen natürlich auch vor unseren Lieblingen nicht halt. Sollte dein Hund beginnen zu husten oder zu schnupfen kannst du vorerst auch einmal auf Mittelchen aus der Hausapotheke zurückgreifen. Gib ihm sein Futter niemals kalt, auch das Trinkwasser sollte leicht erwärmt sein. Gerne kannst du auch hier versuchen ihm Tee zu geben.

Halte ihn prinzipiell warm, auch ein Schal, wenn ihr das Haus verlasst, ist immer eine gute Idee. Kurzhaarhunde ohne Unterwolle sollten in der kalten Jahreszeit auch einen Mantel tragen. Gerne kannst du deinem Hund zusätzlich vitaminreiches Obst (z. Bsp. Beeren jeglicher Art, Apfel, Banane oder Birne) und Gemüse (z. Bsp. Karotte, Zucchini, Blumenkohl, oder Fenchel) geben. Für eine optimale Vitaminaufnahme empfehle ich das Gemüse schonend zu dünsten und zu zerkleinern. Auch hier ist natürlich besonders auf gesundes, leicht verdauliches Futter zu achten.

Tee sollte in jeder Hausapotheke für den Hund vorhanden sein.
Abgekühlter tee kann deinem hund helfen, wenn er schnupfen hat.

Trockenfutter würde ich vor allem bei Halsentzündungen nicht empfehlen. Sollten die Symptome sich nicht nach kurzer Zeit bessern ist auch hier der Gang zum Tierarzt des Vertrauens unumgänglich. Hinter einem trivialen Husten kann sich zum Beispiel auch eine Herzinsuffizienz verbergen.

Um einschätzen zu können wie sehr eine Infektion den Körper schwächt, ist es immer gut die innere Körpertemperatur zu messen. Dies geht beim Hund nur rektal. Lege dir für deine hündische Hausapotheke ein schnell messendes, digitales Thermometer mit einer weichen Spitze bereit. Hilfreich ist es auch ein Gleitmittel zur Hand zu haben. Hier sind zum Beispiel Öle (bitte nicht ätherische!), Vaseline, oder auch Salben gut geeignet. Die Körpertemperatur von Hunden kann nach Größe und Alter stark variieren. Der normale Temperaturbereich liegt bei erwachsenen, gesunden Hunden von 37,5 bis 39 °C.

Einen klaren Kopf bewahren

Wenn dem Vierbeiner etwas fehlt, ist das für Herrchen und Frauchen erst einmal sehr beunruhigend. Doch gerade jetzt, wo der Coronavirus sich weiter ausbreitet und wir den Kontakt zu anderen Menschen meiden sollten, ist es wichtig Ruhe zu bewahren. In dieser Ausnahmesituation kannst du deinen Tierarzt auch per Telefon um eine Einschätzung bitten und dementsprechend handeln. Noch als kleine Orientierungshilfe für dich die physiologischen Werte von Hunden:

  • Atmung: 15-30
  • Temperatur: 37,5°-39,00°C (Welpen bis 39,5°C)
  • Puls: 80-120 Schläge/min (je nach Rasse, Alter, Größe)

Bitte achte insbesondere in dieser schwierigen Zeit auf Hygiene und Sauberkeit zu Hause. Wasche die Schüsseln Deines Hunds nach jeder Mahlzeit und achte immer auf genügend frisches Wasser. Versuche, gerade wenn der Tag Großteils zu Hause verbracht werden muss, auf geistige Auslastung deines Lieblings zu achten, damit kein Lagerkoller entsteht.

WICHTIG: Hunde können sich nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht mit dem Coronavirus (SARS-2) anstecken.

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