Auf den ersten Blick ist die Hundeernährung eine Wissenschaft für sich. Die Auswahl ist riesig und viele Hundebesitzer stehen vor der Frage: Welches Futter ist denn das Richtige für meinen Hund?!

Um industriegefertigtes Futter an den Hund zu bekommen, greifen die Hersteller tief in die Marketing-Trickkiste. Sie werben mit besonders hohem Fleischanteil, heilenden Kräutern, exotischen Superfoods und außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen. Die Verpackungen sind mit Bildern von Wölfen in freier Natur bedruckt und schon hier stellt sich die Frage: Ist das richtig so? Braucht ein vier Kilogramm schwerer Rauhaardackel ein Futter, dass laut Beschriftung den Wolf in ihm versorgt?

Grundsätzlich möchten wir betonen: Es gibt nicht DAS Wunderfutter, dass für JEDEN Hund perfekt ist. Denn dafür sind Hunde viel zu unterschiedlich. Alter, Aktivität, Vorlieben, Unverträglichkeiten und Vorerkrankungen – all solche Faktoren müssen bei der Wahl einer Futtersorte berücksichtigt werden. Wir möchten dir helfen, dich im Dschungel der Hundefuttersorten besser zurecht zu finden:

Fertigfutter

Etwa 90% der verfütterten Rationen sind Fertigfutter. Damit sind Futtermittel gemeint, die dem Hund ohne weitere Zubereitung gegeben werden können. Im täglichen Sprachgebrauch sind damit vor allem die handelsüblichen Trocken- und Nassfutter gemeint. Strenggenommen zählen aber auch Fertigbarfrationen und natürlich Frischfutter dazu, da ja auch dieses Futter ohne weiteres Handling dem Hund verabreicht werden kann.

Hundefutter als Trockenfutter und Nassfutter.
Hundefutter gibt es in vielen verschiedenen varianten.

Die grundlegenden Unterschiede bei Fertigfuttermitteln sind:

  • Fertigbarf: Ein Futter, das nur aus rohen Zutaten besteht und üblicherweise gefroren verkauft wird. Vor dem Füttern muss es natürlich aufgetaut werden. Gefahr: bakterielle Belastung
  • Frischfutter: Die Zutaten werden schonend gegart, darüber hinaus aber nicht durch konservieren haltbar gemacht. Es hat daher auch eine geringere Haltbarkeit und sollte außerdem immer gekühlt gelagert werden (2-7 °C).
  • Konserve / Dosenfutter: Die Futterbestandteile werden hoch erhitzt und dann durch Vakuum noch haltbarer gemacht. Bei sehr vielen Dosenfuttern sind auch noch zusätzliche Konservierungsstoffe beigemengt. Der Wasseranteil liegt bei ca. 70%.
  • Trockenfutter: Alle Bestandteile werden zuerst zerkleinert und dann zu Pellets gepresst. Der Feuchtigkeitsgehalt liegt zwischen 10-15%. Das Futter ist sehr lange haltbar, es besteht aber die Gefahr der Futtermilben.
Der Unterschied zwischen Alleinfuttermittel und Ergänzungsfuttermittel

Wichtig ist, dass du bei Fertigfutter darauf achtest, ob es sich um ein Allein- oder Ergänzungsfuttermittel handelt. Denn nur dann weißt du, ob du das Futter noch zusätzlich mit Mineralstoffen und Vitaminen ergänzen musst, oder nicht. Auf dieses wichtige Detail musst du immer achten! So verhinderst du, dass dein Hund Mangelerscheinungen bekommt oder unter einer Überversorgung leidet. Denn auch zu viel von gewissen fettlöslichen Vitaminen oder auch Calcium kann fatale Folgen haben.

Bei allen Alleinfuttermitteln muss der Hersteller dafür Sorge tragen, dass das Futter optimal zusammengesetzt ist. Auch bei Frischfutter oder Fertigbarfrationen ist das der Fall. Leider gibt es eine ganze Reihe von Produkten auf dem Markt, die nicht unbedingt empfehlenswert sind. Das zeigen nicht nur Berichte und Tests (wie zum Beispiel Stiftung Warentest) sondern auch immer mehr die Erkrankungen unserer Tiere in der täglichen Praxis.

Doch woran lässt sich ein gutes Hundefutter allgemein erkennen?
  • Hersteller: welchen Ruf hat das Unternehmen, welche Fachleute (Tierärzte!) werden dort beschäftigt, wer rechnet die Rationen aus, welche objektiven Informationen werden zur Verfügung gestellt, auf welche Studien beruft sich das Unternehmen?
  • Deklarationen: sind die Angaben vollständig und korrekt? Aus Deklarationen sollen keine Geheimnisse gemacht werden und sie sollten für den Endkonsumenten leicht zugänglich sein. (Futtermittelart, ob Allein- oder Ergänzungsfutter / Tierart / analytische Bestandteile / Zusammensetzung / ernährungsphysiologische Zusatzstoffe je kg / Haltbarkeit / Fütterungsempfehlung / Nettomasse / Kennnummer der Partie / Hersteller mit kostenfreier Kontaktmöglichkeit)
  • Beschreibung des Futters: steht vorne Rind drauf und ist dann nur 4% in der Ration enthalten, ist dies nicht sehr vertrauenserweckend. Oft sind die restlichen 96% der Fleischquelle dann auch gar nicht weiter genannt.
  • Deine Beobachtungen sind von großer Bedeutung und können ein Hinweis auf ein gutes oder schlechtes Futter sein:
    – Frisst der Hund das Futter gerne?
    – Ist die Haut gesund, hat er Juckreiz oder rote Stellen?
    – Glänzt das Fell?
    – Wie riecht der Hund?
    – Leidet der Hund oft an Ohrenentzündungen, kratzt er sich viel an den Ohren?
    – Ist dein Hund fit und aktiv?
    – Kotabsatz: wird 1-2x täglich gut geformter Kot abgesetzt?
    – Hat der Hund Blähungen?
    – Erbricht der Hund, schmatzt übermäßig oder frisst er extrem viel Gras?
    – Versucht der Hund Mauer oder Erde zu essen?
  • Analyse: Hersteller sollten ihr Futter noch zusätzlich analysieren lassen. Diese Daten sollten vorhanden sein und auf Nachfrage auch sofort weitergegeben werden.

Dies sind natürlich nur Hinweise auf gutes, bedarfsgerechtes Futter, niemals eine Garantie.

Kleiner Hund frisst Hundefutter im Garten.
wenn dein hund sein hundefutter gerne frisst, ist das grundsätzlich schon ein gutes zeichen.
Ist das Futter wirklich ein Alleinfuttermittel – und hält es, was es verspricht?

Immer mehr Futtermittel auf dem Markt werben mit “Naturbelassenheit” oder “Naturnähe” und geben sich als Alleinfuttermittel aus. Dies betrifft gerade immer mehr Barfmenüs, denn die Rohfütterung ist mittlerweile ein weit verbreiteter Trend. Oft nennen sie sich “Komplettbarf” oder “Vollwertkost”. Diese Begriffe sind aber nicht gesetzlich definiert und sagen nichts darüber aus, ob das Futter alle essentiellen Nährstoffe enthält.

Ob du ein Alleinfuttermittel, ohne chemische Zusatzstoffe auch wirklich bedenkenlos über längere Zeit verfüttern darfst, kannst du leicht feststellen: Achte vor allem auf die Jod und Vitamin D Quelle.

Die Richtige Jod und Vitamin D Quelle

Für eine natürliche Jodquelle kommen nur Seealgenmehl oder Seefische infrage. Schilddrüsen von Schlachttieren bitte immer vermeiden! Ist beides nicht enthalten, muss Jod über eine künstliche Quelle zugesetzt worden sein. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Kaliumjodid. Übrigens sind in den meisten Futtermitteln die Jodgehalte nicht ausreichend. Jod ist aber essentiell für die Schilddrüsenfunktion und damit für den Energiestoffwechsel. Zur groben Orientierung: Ein 10kg Hund benötigt ca 170 µg Jod, ein 20 kg Hund 284 µg und ein 30kg Hund 385µg Jod am Tag.

Vitamin D ist in natürlicher Form in Lebertran, fettem Fisch und in Leber enthalten. Ist beides nicht im Futter zu finden – also weder der natürliche Stoff noch der künstliche – ist dieses Futter KEIN Alleinfuttermittel und wird deinen Hund über kurz oder lang in eine Mangelversorgung führen mit letztendlich schweren gesundheitlichen Schäden.

Verdaulichkeit

Die Verdaulichkeit beschreibt den Anteil des Futters, der im Darm absorbiert werden kann – ausgedrückt in % und bezogen auf die Trockenmasse des Futters. Den Rest scheidet das Tier unverdaut wieder aus. Je höher die Verdaulichkeit des Futters ist, desto weniger Kot produziert dein Hund und desto besser ist es für ihn.

Die Verdaulichkeit von selbst gekochten Rationen und Frischfutter ist immer besser als die von kommerziellen Futtermitteln. Bei hausgemachtem, bzw. frisch gekochtem Futter liegt die Verdaulichkeit bei über 90%. Bei kommerziellem Futter werden kaum Werte über 80% erreicht. Das ist auch der Grund, warum die meisten Hunde nach Umstellung auf frisches Futter weniger Kot produzieren. Bei Kohlenhydraten wird die Verdaulichkeit über den Ballaststoffanteil und über die Zubereitungsart (Kochzeit) bestimmt.

Trockenfutter

Es gibt zwei Arten von Herstellungsverfahren beim Trockenfutter: das Kaltpressverfahren und das Extrusionsverfahren.

Dried kibble pet food. Heart shape dried animal food. Top view.

Beim Kaltpressverfahren wird die Zutatenmischung getrocknet und gemahlen und anschließend unter großem Druck in die gewünschte Form gepresst. Dabei wird zwar keine zusätzliche Hitze verwendet, aber trotzdem werden durch Druck und Reibung Temperaturen von bis zu ca. 85 Grad Celsius erreicht.
Mögliche Nachteile: Die Stärke wird eventuell nicht genügend aufgeschlossen – was zu Durchfall beim Hund führen kann – und es kann zu hygienischen Mängeln kommen. Außerdem enthält das kaltgepresste Futter mehr Wasser, wodurch es schlechter haltbar ist und aus diesem Grund oft mehr künstliche Konservierungsstoffe zugesetzt sind. Zusätzlich können dem Futter bei diesem Verfahren kaum Öle zugesetzt werden.

Beim Extrusionsverfahren werden alle Zutaten gemeinsam auf 85°C erhitzt und zu einem Teig geknetet. Anschließend wird die Masse auf 120°C erwärmt und mit hohem Druck durch eine Düse gepresst, die dann die Form ergibt. Die Stärke (Kohlenhydrate) wird hierbei besser aufgeschlossen und alle Zutaten können besser verwendet werden. Auf diese Weise können alle Zutaten verwendet werden, die Methode ist aber auch deutlich kostenintensiver.

Frischfutter

Frischfutter ist ein relativ neues Fütterungskonzept, das der “zu-Hause-gekochten-Ration” nachempfunden ist. Neu ist die wirklich perfekte Abstimmung auf die Bedürfnisse deines Hundes, wie du bei HelloBello sehen kannst. Denn ein 30kg Hund kann nicht einfach die 3-fache Menge eines 10kg Hundes fressen. Die Versorgung durch Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente steigt nicht gleichmäßig an.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal von industriellem Fertigfutter zu Frischfutter besteht darin, dass möglichst wenig künstliche Zusätze und vorwiegend natürliche Ergänzungen verwendet werden (z.B. Seealgenmehl statt Kaliumjodid).

Frischfutter für Hunde
FRISCHFUTTER IST EIN NEUES KONZEPT DER HUNDEFÜTTERUNG.
Die richtige Entscheidung

Für den eigenen Hund das passende Futter zu finden, stellt jeden Hundebesitzer erst einmal vor eine kleine Herausforderung. Immerhin muss das Futter nicht nur zum Hund passen, sondern auch zu den persönlichen Lebensumständen. Überlege dir genau, wie viel Zeit du aufwenden kannst und möchtest, wie die Lagermöglichkeiten bei dir Zuhause sind und welche Futtermittelart für deinen Hund geeignet ist. Bist du dir unsicher, ist es immer empfehlenswert deinen Tierarzt um Rat zu bitten.

Quellen:

Supplemente zur Tierernährung (Für Studium und Praxis) (12. Auflage).

Fritz, J. (2015): Hunde barfen. Alles über Rohfütterung. Ulmer Verlag 2015.

Zentek, J. : Ernährung des Hundes – Grundlagen – Fütterung – Diätetik

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